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Seite 1 von 5 Meine Geschichte... (oder: Vom Gitarristen zum DJ - Vom Kommerz zu Cosmic-Music)

Jugendhaus Lehmbau (ein Jugendzentrum komplett aus Lehm gebaut) - Augsburg Mitte 1993, kurz vor der Sommerpause... Der Haus-DJ Hansi hatte Urlaub, aber die Leute die jeden Freitag das Jugendhaus besuchten, wollten wie immer von 19:00 bis 22:00 Uhr ihre Jugend-Disco haben. Es gab keinen anderen Ort an dem man sich unter 16 Jahren mit lauter Musik vergnügen konnte. Also musste ein Aushilfe-DJ her und ich meldete mich freiwillig. Das war in diesem Jahr wohl eine der dümmsten Entscheidungen die ich getroffen hatte!
Ca. 50 junge Menschen wollten feiern, trinken, baggern und tanzen und dann kam ich daher, ne ausgefranzte Kutte, die wohl mit den geschmacklosesten Aufnähern von AC/DC bis Iron Maiden bestickt war, um ein schlabbriges T-Shirt rum angezogen, zerrissene Jeans und Chucks. Ja, ich war ein Heavy-Metaler und Crossover-Freak von Kopf bis Fuß und spielte Gitarre in einer Band namens "Different Art" (zusammen mit dem Schlagzeuger Bernd Almus, jetzt bekannt als "E-Mine", unser Hausproduzent, Mitte unten).






Dementsprechend war auch meine Musikauswahl, die wohl keinem an diesem Abend gefallen hat. Was hatte ich schon außer Hardrock, Metal, Crossover, Punk und Grunge? Ich wurde schon nach den ersten drei Liedern ausgebuht und beschimpft. Gott sei dank war der eigentlich ausgefallene DJ zur Kontrolle da und korrigierte sofort meinen Style. Er drückte mir CDs in die Hand, die ich doch spielen solle, obwohl ich nichts davon kannte.
Ich hatte nichts am Hut mit dem derzeitigen Kommerz, es war ja auch eine furchtbare Zeit mit Liedern von "Felix" bis "Snoop Doggy Dogg"... Jedenfalls überhaupt nicht das, was ich unter "Musik" verstand. Ein Lied musste für mich mindestens ein Gitarren-Solo beinhalten bevor ich es anhören konnte. Aber ich beugte mich und tat etwas für das gereizte Publikum, das langsam aber sicher wieder einen normalen Rhythmus fand und anfing zu tanzen und zu feiern. Ich war selber erst fünfzehn und hatte nicht viel Ahnung von BRAVO, wer ist gerade auf Platz 1 in den Charts ist und vor allem, wie man als DJ einen schönen Abend bereitet.
So planlos und gelangweilt von der komerziellen Musikwelt war es nicht einfach als DJ zu spielen, der irgendwann den alten ablösen sollte... Von diesem Plan der Leitung des Jungendhauses wusste ich zwar nichts, aber ich ahnte es. So traf ich mich mit dem noch antierenden DJ Hansi die Woche drauf und wir übten ein bisschen das Auflegen, was dort anspruchslos und technisch gesehen das billigste war, was man sich heutzutage vorstellen kann. Zwei unpitchbare HiFi CD-Player, beide von verschiedenen Marken, dazu ein uralter Monacor-Mischer, ein Kopfhörer der an die DDR-Zeit erinnerte, eine PA-Anlage die einigermaßen gut klang und eine sehr gefährliche Lichtanlage *gg*, die man mit Ein- / Ausschaltern betätigen musste, oder indem man die Stromkreise per "Fingerstromleitungsschocktherapie" zum Leuchten brachte.
Na ja, ich wurde also ein bisschen geschult was die Liederauswahl betrifft, was man einkaufen sollte und was nicht, wie man den Abend so einplant (Anfang, Mitte, Schluss, Kuschelrunde, eine kleine Hardrock-Crossover-Runde...) und vor allem wie man mit CD-Playern und Mischpult umgeht und was ein Übergang ist. Alles nicht so einfach für jemanden, der bisher nur Gitarrenverstärker gepegelt und Saiten gezupft hat und das so laut wie es geht... Ich brauchte einige Zeit (ca. zwei Monate), bis ich mir die Grundlagen des DJings (wenn man das so nennen kann) anzueignen und von Mal zu Mal klappte alles besser, ich konnte sogar einschätzen was ich einkaufen sollte und was nicht, was auch wichtig war, denn es standen mir vom Jugendhaus 100 DM monatlich (51,13 Euro) zur Verfügung, was auch schon damals nicht gerade die Welt war für einen CD-Einkauf.
Maxies waren nicht drin, am besten Doppel-Sampler mit allen brauchbaren aktuellen Charts und Hits. Ich weiß nicht warum, aber es kamen immer mehr Leute freitags in den Lehmbau um Party zu machen. Wir waren bei ca. 70 Leuten pro Abend und mir wurde klar, dass das DJing zu einem größerem Hobby wird als ich dachte.
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